Lungau historyDer Lungau bildet eine große Beckenlandschaft, die im Norden von den Schladminger und den Radstädter Tauern, im Westen von Ausläufern der Hohen Tauern und im Süden von den Gurktaler Alpen (Nockgebiet) umschlossen wird.
Durch die Flussläufe der oberen Mur und der Taurach mit ihren zahlreichen Nebentälern ist eine ausgeprägte innere Gliederung dieses Beckens gegeben.

Obwohl sich der Lungau nur nach Osten öffnet und von dort durch das Murtal und das Seetal zugänglich ist, war er politisch nicht mit der Steiermark, sondern zunächst mit Kärnten im Süden und dann mit Salzburg im Norden verbunden. Zu dieser Entwicklung trug der Hauptverkehrsweg bei, der schon seit Jahrtausenden von Salzburg im Norden über den Radstädter Tauernpass und die Laußnitzhöhe bzw. den Katschberg nach Villach verläuft.

Die Anwesenheit von Menschen im Lungau ist seit der jüngeren Steinzeit durch einzelne Funde gesichert. Seit dem 2. Jhdt. v. Chr. gehörte der Lungau zum keltischen Königreich Norikum, das 15 v. Chr. von den Römern besetzt und um 50 n. Chr. zu einer römischen Provinz wurde. Aus der über vier Jahrhunderte währenden Epoche römischer Herrschaft gibt es noch heute zahlreiche Zeugnisse: An die Römerstraße über den Radstädter Tauern und die Laußnitzhöhe erinnern zum Beispiel die Meilensteine!

Seit dem Ende des 6 Jhdt. wurde der Lungau von den Alpenslawen besiedelt, die vom Osten her einströmten. Viele Lungauer Ortsnamen haben slawischen Ursprung – z.B. Lessach („bei den Leuten im Wald“). Im 8 Jhdt. geriet der Lungau unter bayerische Herrschaft und wurde nach dem Sturz des Bayernherzogs Tassilo III 788 ein Teil des großen Frankenreiches der Karolinger!

Im Namen Lungau, der vielleicht mit dem heute aus dem Weißpriachtal fließenden Bach Lonka in Zusammenhang steht, steckt das Wort Gau. Im Frühmittelalter war der Gau üblicherweise ein Wirtschafts- und Verwaltungsbezirk.

Seit dem Hochmittelalter bildete der Lungau eine Grafschaft. In der Nachfolge dieser stand dann das Landesgericht im Lungau, das von einem erzbischöflichen Landrichter verwaltet wurde. Daraus entstand im 15 Jhdt. das Pfleggericht Moosham. Hier waren schreckliche Prozesse mit Verurteilungen zum Tode durch Erhängen oder Enthaupten sowie auch „Hexenverbrennungen“ an der Tagesordnung. Die Burgen im Lungau dienten als Wohnsitze des Adels, als Grenzbefestigung sowie als Verwaltungszentren. Das älteste geistige Zentrum war Mariapfarr, die Mutterpfarre des gesamten Lungaues, die schon im Jahre 923 „die Kirche im Lungau“ genannt wurde.

Die überwiegend bäuerliche Bevölkerung des Lungaues lebte von Ackerbau und Viehzucht. Die noch heute verbreitete Almwirtschaft wurde wahrscheinlich schon von den Slawen betrieben. Neben der Landwirtschaft bildeten der Handel und der Bergbau das Rückgrat der Lungauer Wirtschaft. Der wichtigste Nord-Süd Handelsweg führte durch den Lungau. Die Lungauer haben dabei als Säumer und Fuhrknechte Beschäftigung gefunden. In Mauterndorf wurde ein erzbischöflicher Zoll von den durchgeführten Waren eingehoben.

Auch gehörte der Lungau zu den wichtigsten Bergbaugebieten im Land Salzburg. Bereits im Jahre 1287 sind Gold und Silber im Murtal abgebaut worden. Seit dem 14 Jhdt. wurde in Rotgülden (Murtal) das für die Arzneimittelproduktion wichtige, hochgiftige Arsenik gewonnen. Das Gebiet um Ramingstein zeichnete sich durch einen gewinnträchtigen Gold- und Silberbergbau aus.

Nach dem Ende der Bergbaugeschichte im Jahre 1880 wurde der Lungau durch seine Abgeschlossenheit zur „ärmsten“ Region im Land Salzburg. Eigentlich erst durch den Bau der Tauernautobahn (1974-1976) und dem damit verbundenen florierenden Tourismus erlangte der Lungau wieder wirtschaftliche Bedeutung. Heute ist die Region ein beliebtes Urlaubsziel – im Sommer wie im Winter!